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Offener Brief - Standort für die Sächsische Akademie der Künste

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Dr. Stange,

über die Medien erhielt die Sächsische Akademie der Künste am 23.06.2016 davon Kenntnis, dass eine Entscheidung über die Zukunft des Dresdner Blockhauses, bis 2013 Standort der Akademie, getroffen worden ist.

Die Akademie begrüßt ausdrücklich, dass das Blockhaus als öffentlicher kultureller Ort erhalten bleibt, und befürwortet das Konzept eines „Archivs der Avantgarde“ als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Damit wird ein zwingend benötigter kräftiger Akzent die kulturelle Landschaft der Landeshauptstadt und des Freistaates beleben.

Nachdem das Blockhaus seine Bestimmung gefunden hat, stellt sich mit umso stärkerer Dringlichkeit die seit 2013 vom Freistaat offen gelassene Frage nach dem Standort der Akademie. Klare und verbindliche Aussagen hierzu werden dringend von Ihnen erwartet, zumal Sie, verehrte Frau Ministerin, am 18.06.2016 in Ihrem Grußwort zum 20-jährigen Bestehen der Akademie eine andere Darstellung der Standortfrage vermittelt haben. Auch Ihr Schreiben vom 20.06.2016 enthielt keine Antwort auf meine explizite Anfrage vom 13.06.2016 zur Zukunft des Blockhauses, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung der Staatsregierung gefallen war. Die Akademie hätte es begrüßt, die Nutzungsentscheidung für das Blockhaus mit der Standortfrage der Akademie zu verbinden.

Vor dem Hintergrund des gemeinsamen Bemühens um eine lebendige und vielfältige sächsische Kulturlandschaft erwartet die Akademie ein klares Bekenntnis und einen angemessenen Umgang mit den uns gemeinsam bewegenden Aufgaben.

Dresden, 24. Juni 2016

Prof. Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste



Memorandum

Die Sächsische Akademie der Künste begeht in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die Mitgliederversammlung vom 18. Juni 2016 hat sich mit der Bilanz ihrer 20-jährigen Arbeit befasst und Fragen nach der Zukunft der Akademie und der Rolle von Kunst und Kultur in der Gesellschaft diskutiert. Sie richtet das folgende Memorandum an die Sächsische Staatsregierung und den Sächsischen Landtag:

Die Sächsische Akademie der Künste verweist im Jahre ihres 20-jährigen Bestehens mit Nachdruck auf ihren Leistungswillen und ihre Potenzen, auf ihren Platz im Kulturleben und die Aufgaben gegenüber der Gesellschaft. Die Sächsische Akademie der Künste wurde 1996 nach dem Vorbild der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Künste Berlin als Vollakademie gegründet, aber von der Sächsischen Staatsregierung zu keinem Zeitpunkt personell und finanziell zureichend ausgestattet, um den Absichten des Gesetzgebers und den Aufgaben einer wichtigen Institution des Freistaates Sachsen gerecht werden zu können.

Es fehlen noch immer die sachlichen und personellen Voraussetzungen, um die im Gründungsgesetz von 1994 niedergelegten Aufgaben zureichend umzusetzen:
- Förderung der Kunst und Vorschläge zu ihrer Förderung zu unterbreiten
- Pflege der Überlieferung des traditionellen sächsischen Kulturraums
- Entfaltung öffentlicher Wirksamkeit
- Anlage eines Archivs, in dem die Akademie ihre eigene Arbeit und die ihrer Mitglieder dokumentiert

In der jetzigen Ausstattung mit 2,25 Stellen, die aus einem Jahresetat von 395.000 Euro finanziert werden, ist die Akademie nicht in der Lage, die ihr übertragenen Aufgaben zureichend zu erfüllen. Mit den jährlichen Veranstaltungen in verschiedenen Formaten, Tagungen, Ausstellungen, Workshops und Konzerten im Freistaat Sachsen, aber auch in den Nachbarländern, strebt sie nach der notwendigen Wirksamkeit in der Öffentlichkeit. Hinzu kommen die satzungsgemäßen Mitgliederversammlungen, Zusammenkünfte der Klassen und des Senats.

Erforderlich sind ein deutlicher Finanz- und Stellenaufwuchs um
- 1,0 Referentenstelle für Öffentlichkeitsarbeit/Social Media
- 1,0 Referentenstelle für Archiv und Dokumentation
- 2,5 Referentenstellen für die Arbeit der Klassen (je 0,5 Stellen pro Klasse)

Länderakademien zum Vergleich:
Akademie der Künste (Berlin), (Bundesakademie): 402 Mitglieder, über 40 Mitarbeiter für den Programm- und Mitgliederbereich
Bayerische Akademie der Schönen Künste (München): 287 Mitglieder; 10 Mitarbeiter
Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt): 190 Mitglieder; 7 Mitarbeiter
Sächsische Akademie der Künste Dresden: 168 Mitglieder; 2,25 Mitarbeiter

1. Wir fordern Gespräche über den auch vom SMWK als notwendig erachteten Ausbau, um vom provisorischen Status zur vollen Arbeitsfähigkeit gelangen zu können.

2. Wir fordern Aussagen der Staatsregierung und des Landtages zur Perspektive des Standortes, nachdem die Akademie mit dem Blockhaus nach dem Elbehochwasser 2013 ihren vom Freistaat 1996 zugewiesenen Standort verloren hat.

3. Wir fordern Positionierungen der Staatsregierung und des Landtages zu den von der Akademie vorgelegten Überlegungen zu den aktuellen Aufgaben der Akademie im Freistaat, zur Arbeit mit den mittel- und osteuropäischen Nachbarn und zu den Zukunftskonzepten der Akademie.

Wir ersuchen die Staatsregierung und den Landtag, mit dem Doppelhaushalt 2017/2018 eine rasche Änderung der Lage herbeizuführen. Die Akademie bekundet ihren Anspruch – nicht zuletzt vor dem Hintergrund 20-jähriger engagierter Arbeit – verbindliche Antworten zu erhalten und mit den kulturpolitisch Verantwortlichen in den dafür notwendigen Dialog einzutreten.

Dresden, 18. Juni 2016

Die Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste vertreten durch den Präsidenten Prof. Wilfried Krätzschmar



Aus meiner Sicht Montag
Debatte zur Krise der Gesellschaft


Die Sächsische Akademie der Künste begrüßt Debatten zur aktuellen Situation unserer Gesellschaft und den Diskurs über das, was ihre Identität, ihre kulturelle Konstitution und ihre Zukunft ausmacht. Der Austausch über den Zusammenhalt der Gesellschaft und über die Zukunft unseres Landes hat seit der Wiedervereinigung in der notwendigen fundierten Weise nicht stattgefunden und ist überfällig. Daher sieht die Akademie in den aktuellen Diskussionen eine Chance, sich über die Zukunft unsrer Gesellschaft zu verständigen. Bei allen Herausforderungen, vor die uns die hohe Zahl der Flüchtlinge und die schwierige politische Situation in Europa gegenwärtig stellen, ist festzuhalten, wie wenig es sich vordergründig um eine Flüchtlingskrise und um wieviel mehr es sich um eine Krise der Gesellschaft und ihrer Institutionen handelt.

Aus diesem Grund begrüßen wir die in der Sächsischen Zeitung geführte Debatte "Aus meiner Sicht Montag". Aus Anlass des Beitrages von Jörg Bernig "Zorn allenthalben" vom 21.12.2015 ist jedoch ausdrücklich darauf zu verweisen, dass dieser Text eine private Meinung und nicht eine Stellungnahme der Akademie darstellt. Die Akademie tritt auf der Grundlage ihres Selbstverständnisses für Weltoffenheit ein und unterstützt das Engagement der von Kultureinrichtungen getragenen Initiative WOD. Wir gemahnen eindringlich daran, dass sich die akuten Probleme nur lösen lassen, wenn die bedrückenden Sorgen und Fragen mit Sorgfalt und Verantwortung getrennt werden von Stimmungen, Ressentiments und dem Schüren von Ängsten.

Aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens plant die Sächsische Akademie der Künste für das Jahr 2016 eine Reihe von Veranstaltungen, die unter dem künstlerischen Motto "Wohin mit der Schönheit?" gezielt den politischen Diskurs über das Funktionieren der Gesellschaft ins Zentrum stellen.

Dresden, 22. Dezember 2015

Prof. Wilfried Krätzschmar
Präsident der Sächsischen Akademie der Künste




Gegen Fremdenfeindlichkeit und Radikalisierung

Unser Land steht vor gewaltigen Herausforderungen. Wir wenden uns an unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger und an die politisch Verantwortlichen, weil wir uns angesichts der aktuellen Entwicklung große Sorgen machen. Sachsen geriet in den vergangenen Monaten zum wiederholten Mal in den Ruf, ein Hort des Rechtsextremismus, der Fremdenfeindlichkeit und gewalttätiger Auseinandersetzungen zu sein. Sachsen hat ein Problem. Flüchtlinge und Asylbewerber wurden offen attackiert. Ebenso wurden Politiker und Polizisten und Andersdenkende angegriffen. Die Diffamierung und die Hetze gegen Menschen, die aus verschiedenen Gründen - oft ist es ihre nackte Angst ums Überleben - bei uns Hilfe und Schutz suchen, offenbarten sich in einem bisher nicht bekannten Ausmaß.

Es ist ermutigend, dass viele Menschen konkrete Unterstützung leisten und dadurch ihre Mitmenschlichkeit zum Ausdruck bringen. Dafür sind wir dankbar. Gleichwohl ist der Ruf des Landes beschädigt. Deshalb bitten wir alle, die sich der humanistischen kulturellen Tradition verpflichtet fühlen, eindringlich darum, sich nicht gleichgültig zu verhalten und sich gegen jede Form von Gewalt vernehmbar zu Wort zu melden.

Sachsen ist ein der europäischen Kultur und somit auch der Aufklärung verpflichtetes Gemeinwesen. Der wirtschaftliche, kulturelle und soziale Reichtum des Landes wurde in herausragender Weise auch durch Menschen begründet und gemehrt, die aus anderen Kulturen zu uns kamen. Ob wir die humanitären Herausforderungen bewältigen, vor denen die Zivilisation derzeit steht, ist auch eine Frage unserer kulturellen Identität. Es ist offensichtlich, dass es einfache Lösungen nicht gibt. Umso wichtiger ist die Suche nach klaren Orientierungen und effektiven politischen Strategien. Dazu gehören auch Überlegungen, die Flüchtlingsströme durch internationale Maßnahmen und Hilfen zu begrenzen.

Offenkundig leidet ein nicht geringer Teil der Bevölkerung unter zunehmenden sozialen Spannungen, misstraut der Politik und neigt dazu, Defizite auf Schwächere zu projizieren. Solche Fragen müssen auf allen Ebenen der Gesellschaft offensiv diskutiert werden. Wir ermutigen alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich aktiv, weltoffen und solidarisch für die zu uns kommenden Menschen einsetzen, anständig mit ihnen umzugehen und Recht und Gesetz einzuhalten. Sie sollten alles tun, was der Radikalisierung und der Eskalierung der zutage getretenen Fremdenfeindlichkeit entgegen wirkt. Sie sollten nichts unterlassen, was geeignet ist, das Bild eines offenen und menschenfreundlichen Landes zu zeichnen.

Wir unterstützen alle Verantwortlichen in Verwaltung, Kultur, Wirtschaft und im Bildungswesen, die sich um eine menschenwürdige Aufnahme der zahlreichen Flüchtlinge bemühen. Wir fordern alle Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, sich dafür einzusetzen und mitzuhelfen, dass alle Flüchtlinge, die bei uns sind und solange sie bei uns sind, menschenwürdig behandelt werden.

Auf Beschluss der Mitgliederversammlung der Sächsischen Akademie der Künste vom 3. Oktober 2015, veröffentlicht am 6. Oktober 2015.

Christian Schramm, Präsident des Sächsischen Kultursenats
Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste
Ulf Großmann, Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen




Für ein weltoffenes Dresden

Die Sächsische Akademie der Künste unterstützt die Initiative der Dresdner Intendantenrunde für ein weltoffenes Dresden. Die Initiative wendet sich gegen den Missbrauch diffuser Ängste und tritt für eine Gesellschaft ein, die sich gründet auf Toleranz, Solidarität und Freiheit.

Die Akademie stimmt mit den im Gespräch in 3sat Kulturzeit (8.12.2014) geäußerten Forderungen ihres Mitgliedes Robert Koall, Chefdramaturg des Staatsschauspiel Dresden, überein. Alle - Politik, Kultureinrichtungen und Gesellschaft - sind in der Pflicht, dieses fremdenfeindliche Klima abzuschaffen. Dazu sind vor allem "sorgfältig geplante, langfristige Initiativen in allen Bereichen zu entwickeln: in Lehrplänen, im Spielplan, in der Haushaltsausstattung."

Wilfried Krätzschmar, Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, plädiert für eine sachliche Auseinandersetzung mit den Motiven und Hintergründen, die zu den fremdenfeindlichen Protesten führen.

Die Sächsische Akademie vereinigt namhafte Künstler und Kunsttheoretiker aus dem In- und Ausland, ein Drittel ihrer Mitglieder kommt aus den Nachbarländern. Zum Selbstverständnis und zu den vorrangigen Aufgaben der Akademie gehört der kulturelle Brückenschlag zu den mittel- und osteuropäischen Ländern.

Sächsische Akademie der Künste
Dresden, 9. Dezember 2014