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Ivan Ruller



Nachruf
Der tschechische Architekt Ivan Ruller ist verstorben


Der tschechische Architekt und Architekturtheoretiker Ivan Ruller, Korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie Künste, ist am 25. März 2018 im Alter von 91 Jahren in Brünn verstorben, wie der Dekan der Architekturfakultät der TU Brünn Vladimir Slapeta der Sächsischen Akademie der Künste heute mitteilte.

1926 als Sohn des Initiators der Brünner Werkbundsiedlung „Das Neue Haus 1928“ („Kolonie Novy Dum“) Cenek Ruller geboren, studierte Ivan Ruller 1945‒1950 an der Technischen Hochschule Brünn und wurde Assistent von Bedrich Rozehnal und Bohuslav Fuchs, den Ikonen des Brünner Funktionalismus. Seit 1952 arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros und war Mitbegründer der Künstlergruppe „Brno 57”, der mit Pavel Navratil, Josef Kubicek, Karel Hylis, Vladimir Vasicek and Vladislav Vaculka bedeutende Maler aber auch Architekten und Komponisten angehörten. 1965 lernte er während eines mehrmonatigen Studienaufenthalts in Paris die Architektur des Brutalismus kennen. Nach Brünn zurückgekehrt, wurde Ruller zu einem wichtigen Vermittler dieser neuen Ideen und 1968 eine führende Kraft des Prager Frühling.
Bis 1979 arbeitete er in einem staatlichen Architekturbüro. Von ihm stammen zahlreiche Brünner Bauten der Moderne, u.a. das Bürohaus Ingstav, die Sporthalle Rondo, die Messehalle E, außerdem Industriebauten wie die Chemische Fabrik Slovnaft in Bratislava und zahlreiche Büro- und Wohnhäuser in Mähren und der Slowakei.

Ende der siebziger Jahre zur persona non grata erklärt, wandte sich Ivan Ruller der Innenarchitektur und der künstlerischen Gestaltung von Innenräumen zu und arbeitete dabei mit Künstlern wie Vladimir Preclik, dem späteren Dekan der Brünner Kunsthochschule, dem Bildhauer Olbram Zoubek und dem Maler Bohumir Matal zusammen. Engen Kontakt suchte Ruller auch zur jüngeren Generation wie zur Architektengruppe Obecni Dum um Ales Burian, Petr Pelcak, Martin und Viktor Rudis, Ludvik Grym oder Jindrich Skrabal. In der Samtenen Revolution 1989 wurde Ruller zum Dekan der Brünner Architekturfakultät gewählt. Er übte dieses Amt bis 1994 aus und war danach Leiter des Instituts für öffentliche Bauten.

Auf Vorschlag des Architekten Günter Behnisch berief ihn die Sächsische Akademie der Künste 1998 zu ihrem Korrespondierenden Mitglied und richtete 2001 in Dresden eine Ausstellung seiner Arbeiten und Entwürfe aus. Vorbereitet von Ivan Ruller setzte sich die Akademie, in Zusammenarbeit mit der Stadt Brünn und der Architekturfakultät der TU Brünn, im Mai 2002 in einer Tagung mit dem Erbe des Brünner Funktionalismus auseinander und mit dem Fortschreiben seiner architektonischen und städtebaulichen Traditionen heute.

Ruller wurde vielfach geehrt: Er erhielt u.a. den Prochazka-Preis (1968), die Goldmedaille der Technischen Universität Brünn (1994), den Vladimir Karfik-Preis (1994), den Preis der Stadt Brünn (1995) und den Tschechischen Staatspreis (2003).

Die Akademie verliert mit Ivan Ruller nicht nur einen Freund und einen anregenden Kollegen und Künstler, sondern einen anregenden, im In- und Ausland hoch geachteten Architekten.

Klaus Michael, Präsidialsekretär
Sächsische Akademie der Künste

Dresden, 26. März 2018

Ivan Ruller

Geboren am 17. November 1926 in Brünn, gestorben am 25. März 2018 in Brünn · 1945 Abitur · 1945-50 Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Brünn · 1949-59 Assistent bei Fuchs, Rozehnal und Kopriva · 1959-79 Tätigkeit in verschiedenen staatlichen Architekturbüros · 1968 Procházka-Preis · 1979-85 freischaffender Architekt und Künstler · 1985-89 Elektroprojekta Brünn, Leiter der Abteilung Architektur · 1989-94 Dekan der Architekturfakultät der Technischen Universität Brünn ·1994 Professor, Leiter des Instituts für öffentliche Bauten · 1994 Goldmedaille der Technischen Universität Brünn ·1994 Karfik-Preis · 1995 Preis der Stadt Brünn · 2003 Staatspreis · lebt in Brünn.

Bauten

1960-65 Janácek Oper Brünn · 1966-68 Villa Petráček Brünn · 1969-71 Berghütte in Pec pod Snězou · 1968-70 Bürogebäude Ingstav Brünn · 1972-84 Zeremonienhallen der Friedhöfe von Blansko, Bítov und Brünn-Zidenice · 1972-90 Wintersporthalle Rondo Brünn · 1974-77 Bürogebäude Zd'ár nad Sázavou ·1977-82 Staatsbank Prag ·1987-90 Fakultät für Hygiene der Karls-Universität Prag · 1992-94 Ausstellungspavillon E der Brünner Messe · 1993-95 Allgemeine Krankenkasse Kroměří&cedil; · 1995-97 Gebäude des Arbeitsamtes Kroměříz · 1997-2000 Schule in Neveklov · Villa in Olmütz · 2002–05 Magistrat der Stadt Olmütz · 2006 Villa in Brünn · 2008 Villa in Ostopovice · 2006-08 Sporthalle der TU Brünn · 2009-10 Rekonstruktion der Sporthalle Rondo · 2009-11 Polyfunktionelles Kulturzentrum Hlinsko.

Publikationen

Zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften u.a. in: Tschechoslowakischer Architekt, Architektur CSSR, Projekt Bratislava, Wohnen und Bauen, Architecture, Wissenschaft und Technik, Bauwelt.· V. Karfik: Verwaltungsgebäude.

Andere Autoren: M. Benesová: Tschechische Architektur im Wandel von zwei Jahrhunderten · J. Pechar: Tschechoslowakische Architektur · Architekt Ivan Ruller. Ohlédnutí k zivotnímu jubileu. (Katalog der gleichnamigen Ausstellung) Herausgegeben von der Architekturfakultät der TU Brünn. Brünn 2004 (in tschechischer Sprache).



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